Hilfe für Leukämiekranke macht Schule

Artikel vom 27. Oktober 2017

Diese Schüler haben 2015 die Typisierungsaktion mit der Stefan-Morsch-Stiftung am Berufskolleg in Lüdinghausen organisiert.

Vor mehr als 10 Jahren haben Hunderte Menschen am Richard-von-Weizäcker-Berufskolleg in Lüdinghausen Schlange gestanden, um sich als möglicher Lebensretter registrieren lassen. „Carolin“, eine junge Frau aus Seppenrade, war an Leukämie erkrankt und braucht dringend einen Spender. Seitdem organisieren Schüler regelmäßig Aufrufe, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen.

Mehr als 1100 Schüler sind bislang typisiert worden. Über 50 Spender aus Lüdinghausen (Kreis Coesfeld) konnten seither einem an Leukämie erkrankten Menschen eine Chance auf Leben geben. „Ein herausragendes Engagement“, so Susanne Morsch, Vorstandsvorsitzende der Stefan-Morsch-Stiftung, die auch jetzt wieder bei einem für Anfang Dezember geplanten Aufruf mit im Boot ist.

Richard-von-Weizäcker-Berufskolleg engagiert sich

Christoph Wensing, Lehrer an der höheren Berufsfachschule für Wirtschaft und Verwaltung, weiß wie wichtig solche Typisierungsaufrufe sind: Je mehr Menschen mit ihren Gewebemerkmalen in der Stammzellspenderdatei erfasst sind, desto größer sind die Chancen für einen Erkrankten, darunter den geeigneten Spender zu finden – einen genetischen Zwilling.

Hilfe für Carolin

Deshalb organisiert die nunmehr 30 Jahre alte Stiftung deutschlandweit „Typisierungsaktionen“: So auch 2006. Damals war das Schicksal von „Carolin“ in aller Munde. Die Medien berichten über die junge Frau und ihre schwere Erkrankung. Viele Schüler des Berufskollegs in Lüdinghausen und Dülmen kennen sie persönlich. „Da war der Wille zu helfen, besonders groß“, erinnert man sich auch in der Stiftung.

Kampf gegen Leukämie

Robin Bruchhäuser, Julia Auffenberg, Bastian Blankertz, Alexandra Wuttke und Nadine Thier aus der Höheren Handelsschule starteten damals gemeinsam mit der SV den Aufruf an der Schule. Unterstützt von ihrem Lehrer Christoph Wensing sowie Judith Tekstra und Klaus Essling als SV-Lehrer startete das Projekt „Lebensretter gesucht“: Durchsagen wurden gemacht, Flugblätter gestaltet, Info-Stände aufgebaut und Kuchen verkauft. Die Resonanz war riesig und sie ist bis heute groß, wenn die Schüler zur Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke aufrufen. Mehr als 1100 Schüler des Berufskollegs sind bei der Stefan-Morsch-Stiftung registriert.

Lina Plucinski, Ex-Schülerin des Richard-von-Weizäcker Berufskollegs in Lüdinghausen, hat 2017 Stammzellen gespendet. Sie ist als Stammzellspenderin bei der Stefan-Morsch-Stiftung registriert.

Schülerin Lina Plucinski spendete Stammzellen

Und die Wirkung ist mehr als nachhaltig. Ein Beispiel dafür: Lina Plucinski, die sich 2013 bei einem der folgenden Aufrufe am Richard-von-Weizäcker-Berufskolleg typisieren lies. Jetzt, im Frühjahr 2017, spendete sie Stammzellen für eine 50-jährige Patientin aus Deutschland: „Ich würde jederzeit wieder spenden. Jedes Familienmitglied, jeder Freund oder Bekannte oder sogar ich selber könnte in der Situation stecken, dringend Hilfe zu benötigen. Da ist es besser, man hat eine 50 zu 50 Chance als gar keine.“

Lass Dich typisieren

Sie hofft, dass der neue Aufruf Anfang Dezember große Wirkung zeigt. Bei der Stefan-Morsch-Stiftung weiß man: „Die Wahrscheinlichkeit, zur Spende gebeten zu werden, ist bei einem Aufnahmealter von unter 20 Jahren zehn Mal so hoch wie bei einem über 40-Jährigen.“  Eine Typisierung ist ganz einfach: Zunächst sollte man sich über die Stammzellspende informieren – am einfachsten über die Homepage der Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de) oder über die kostenlose Hotline: 08 00 – 766 77 24. Über einen Gesundheitsfragebogen werden die wichtigsten Ausschlusskriterien abgefragt – etwa schwere Vorerkrankungen oder starkes Übergewicht. Ist der Fragebogen unterschrieben, wird eine Speichelprobe genommen. Diese Probe wird im Labor der Stefan-Morsch-Stiftung analysiert. Sie erhalten eine Spendernummer. Das bedeutet: Die Gewebemerkmale, das Alter und Geschlecht sowie weitere transplantationsrelevante Werte werden anonym beim Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) hinterlegt. Jetzt stehen die anonymisierten Daten für  weltweite Suchanfragen von  Patienten zur Verfügung. (dji)

Was passiert bei einer Stammzellspende: Lina Plucinski (24 Jahre, Datteln) erzählt – einfach anklicken

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