Familienvater hilft leukämiekrankem Kind

Artikel vom 7. November 2019

Stammzellspender Sebastian Böcker und seine Familie freuen sich über gute Nachrichten von Payton aus den USA. Foto: Sebastian Böcker

Bei Familie Böcker aus Mehrhoog im Kreis Wesel dreht sich alles um den zweijährigen Philipp und Baby Frieda. Zwischen Beruf, Familienalltag und Fußballtraining sorgt sich Papa Sebastian noch um ein drittes, fremdes Kind: die neunjährige Payton, aus den USA. Zwei Jahre nach seiner Knochenmarkspende weiß er jetzt, dass er diesem fremden, leukämiekranken Mädchen das Leben gerettet hat.

Die Typisierung hat eine nachhaltige Wirkung

Sebastian Böcker arbeitet als Ingenieur bei dem Unternehmen Kelvion in Bochum – einem Hersteller für Wärmetauscher. Wenn er nach Feierabend die Haustür aufschließt, wird er als erstes von seinem kleinen Sohn Philipp begrüßt. Als der 34-Jährige eine Mail der Stefan-Morsch-Stiftung, die seit 1986 Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke bietet, bekam, war seine Ehefrau noch mit dem Jungen schwanger. Mitten im Mallorca-Urlaub hat ihn die Nachricht erreicht, dass er als Spender in Frage kommt. „Ich war sehr überrascht als ich die E-Mail der Stefan-Morsch-Stiftung erhalten habe, da meine Typisierung schon mehrere Jahre zurückliegt. Zu erfahren, dass man als potentieller Knochenmark-Spender in Frage kommt, war für mich sehr aufregend.“

Typisierung am Berufskolleg vor 13 Jahren

Registriert hatte er sich 2006 am Richard-von-Weizsäcker Berufskolleg in Dülmen. An den Kollegstandorten Dülmen und Lüdinghausen engagieren sich Lehrer und Schüler seit mehr als 13 Jahren immer wieder mit Typisierungsaufrufen. Bereits mehr als 1600 Menschen ließen sich an den Schulstandorten in die Datei der Stiftung aufnehmen. 52 von ihnen haben bereits Lebenschancen für Blutkrebspatienten geschenkt. In den kommenden Wochen plant das Kolleg einen weiteren Aufruf mit der Stefan-Morsch-Stiftung.
„Natürlich hat man als werdender Vater auch gewisse Bedenken hinsichtlich eines solchen, medizinischen Eingriffs, aber als ich nach weiteren Blutuntersuchungen konkret zur meiner verbindlichen Spendenbereitschaft gefragt wurde, habe ich direkt zugestimmt. Die Möglichkeit, dass jemand anderes mit meinem Knochenmark weiterleben kann, musste ich einfach ergreifen.“

Kontakt nach Ablauf von 2 Jahren möglich

In Deutschland ist direkter Kontakt zwischen Spender und Empfänger erst nach Ablauf von zwei Jahren erlaubt. Bis zu dem Zeitpunkt durfte er mit Paytons Familie anonymisierte Briefe über die Stefan-Morsch-Stiftung austauschen. Das erste Foto, dass er nach dem Austausch der Adressen bekommen hat, zeigt Payton und ihren Zwillingsbruder am neuen, zweiten Geburtstag der Neunjährigen – der Tag, an dem ihr Böckers Stammzellen transplantiert wurden. „Es herrschte vor Anfang an ein Gefühl der Verbundenheit, ohne dass man sich vorher gesprochen oder gesehen hat“, erzählt der 34-Jährige. Mittlerweise hat sich ein regelmäßiger Kontakt entwickelt und sie tauschen wöchentlich Nachrichten und Videobotschaften aus. „Sie ist ein taffes Mädchen mit Kämpfergeist. Und ich finde es sehr beeindruckend, wie sie mit Ihrer Situation umgeht. Ich hoffe, dass ich Payton und ihre Familie irgendwann einmal treffen kann. Auf jeden Fall war die Knochenmarkspende die richtige Entscheidung.“

28. Juni 2017 ist der Tag, der Sebastian und Payton verbindet: Der Tag der Knochenmarkentnahme. In einer Klinik in Düsseldorf wurde ihm bei einer kleinen OP unter Vollnarkose Knochenmark aus dem Beckenknochen entnommen. Eine weitere Methode, um Stammzellen zu spenden ist die sogenannte Apherese. Das funktioniert ähnlich, wie bei einer Blutplasmaspende. Die Knochenmarkentnahme hat er gut verkraftet. „Ich wurde morgens operiert, bin nachmittags zum ersten Mal aufgestanden und bereits am Abend konnte ich schon wieder nach Hause.“

Böcker möchte mehr Menschen zur Registrierung motivieren

Mit seiner Geschichte möchte Sebastian Böcker auf das Thema Typisierung aufmerksam machen und andere motivieren, sich ebenfalls als Stammzellspender bei der Stefan-Morsch-Stiftung zu registrieren: „Leider beschäftigen sich viele erst mit dem Thema, wenn es einen Leukämie-Fall im persönlichen Umfeld gibt. Dabei ist es so einfach! Man muss nur eine Speichelprobe abgeben oder sich ein bisschen Blut entnehmen lassen.“(az)

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