Christa und Sascha – zum Glück gefunden

Artikel vom 24. April 2017

Spender Sascha Dietrich aus Berlin und Christa Huber aus Bayern wollen zeigen, was man mit einer Stammzellspende bewirken kann.

Was kann man mit einer Stammzellspende bewirken? Leben retten! Zwei einfache Worte, hinter denen Menschen wie Christa Huber und Sascha Dietrich stehen. Zwei Menschen, die sich bis vor wenigen Monaten nie gesehen hatten und deren Alltag gegensätzlicher kaum sein könnte. Trotzdem sind ihre Lebensläufe miteinander verbunden – durch einen Aufruf zur Typisierung der Stefan-Morsch-Stiftung, der ersten Stammzellspenderdatei Deutschlands.

Christa Huber ist heute 59 Jahre alt, verheiratet, ein erwachsener Sohn. Sie lebt in einem winzigen Ort in Bayern. Fast jeder kennt sie. Sie  war Lehrerin mit Leib und Seele.  Ein Leben auf dem Land mit klarer Luft und einem Tagesablauf, der unterschiedlicher kaum sein könnte zu dem, was Sascha Dietrichs Leben ausmacht. Der heute 44-Jährige erarbeitet im Bundeswirtschaftsministerium Gesetzesvorlagen für die Bundesregierung und begleitet Regelungsvorhaben der EU in Brüssel. Mit Frau und drei Kindern (4, 9 und 12 Jahre alt) atmet er Berliner Luft – nicht besser, aber vollkommen anders eben.

Diagnose wirft alles über den Haufen

Christa Hubers Lebenslauf ändert sich 2013 innerhalb weniger Stunden. Sie war beim Hausarzt, weil sie eine Grippe einfach nicht mehr losgeworden ist. Sie ist müde und abgeschlagen. Die Diagnose: Akute myeloische Leukämie (AML) wirft alles um – ihr Leben und das derer, die ihr nahe stehen: Familie, Freunde und Bekannte. Die Welt steht plötzlich Kopf. Chemoblöcke, Blutspenden, Quarantäne, lange Gespräche, Angst, gefilterte Luft und Isolation. Dazu liebende Menschen, von denen man nur die Augen sieht, weil sie Mundschutz tragen müssen. Augen, die versuchen die Sorgen die dahinter Amok laufen, nicht widerzuspiegeln.  „Ich habe ein Leben nach der Leukämie!“ Das sagt sich Christa Huber. Der Kampf ist hart. Da braucht man Hoffnung, Zuversicht und verdammt viel Glück. Denn irgendwann ist klar, dass sie ohne einen genetisch passenden Stammzellspender nicht überleben wird. Verwandte – das wurde getestet – können ihr nicht helfen. Deshalb beginnt die Suche nach einem fremden Menschen, der die gleichen genetischen Merkmale hat, und bereit ist, durch eine Knochenmark- bzw. Stammzellspende ihr Leben zu retten.

Aktuelle Adressen sind wichtig!

Christa Hubers Quäntchen Glück hat einen Namen, den sie noch ganz lange Zeit nicht kennen wird: Sascha Dietrich, der seit seinem Studium im Marburg als potenzieller Spender bei der Stefan-Morsch-Stiftung typisiert ist. Das heißt, bei einem Aufruf an seiner Uni „irgendwann in den 90er Jahren“ hat er sich einen Fingerhut voll Blut abnehmen lassen. Seitdem sind seine Gewebemerkmale in der weltweit vernetzten Datenbank anonymisiert abrufbar.

Erscheint der registrierte Spender als „Treffer“ wird man von der Spenderdatenbank kontaktiert – unter der hinterlegten Adresse. Doch Sascha Dietrich, der ursprünglich aus Braunschweig kommt hatte bei der Typisierung die Anschrift seiner Eltern angegeben. Seit dem Studium ist er mehrfach umgezogen und hatte vergessen, die neuen Kontaktdaten der Stefan-Morsch-Stiftung mitzuteilen. Seine Mutter nimmt den Anruf der Stiftung entgegen und denkt es, sei ein unseriöser Werbeanruf. Also muss die Stiftung über das Einwohnermeldeamt mühsam die neue Adresse in Berlin herausfinden. Doch die Hartnäckigkeit lohnt sich.  Sascha Dietrich ist zwar überrascht, aber er steht immer noch zu seinem Wort: Er will helfen. Während genauestens untersucht wird, ob er wirklich der passende Spender ist und ob er vollkommen gesund ist, geht Christa Huber durch die Hölle.

Leukämie: Nah am Tod

Ihr Immunsystem muss soweit heruntergefahren werden, dass Sascha Dietrichs Stammzellen auch wirklich ihre Arbeit tun können. Mit Chemoblöcken wird ihr blutbildendes System weitestgehend zerstört. Jetzt ist jeder Keim eine lebensbedrohliche Gefahr. Doch Christa Huber weiß zu diesem Zeitpunkt schon, dass es einen Menschen gibt, der bereit ist, ihr zu helfen.  „Als Patient merkt man, dass man nah am Tod ist“, sagt die Frau, die eigentlich ein sehr zurückhaltender Mensch ist. Sie redet über ihre Geschichte nur, weil sie mehr Menschen dazu bewegen will, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen.

Chef unterstützt Sascha Dietrich

Sascha Dietrich spendet unterdessen Stammzellen. Das funktioniert ähnlich wie bei einer Dialyse. Zuvor hat er sich einen körpereigenen Botenstoff verabreichen müssen, der seine Stammzellen aus dem Knochenmark ins Blut übergehen ließ. Grippeähnliche Symptome gehören zu den Nebenwirkungen, die aber mit der Entnahme der Stammzellen wieder verschwinden. Auch er erfährt zu diesem Zeitpunkt nicht, für wen er spendet. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Zwei Jahre dauert die Anonymisierungsfrist. Er weiß nur, dass er für eine Frau aus Deutschland spendet, die Mitte 50 ist. Sein Chef im Bundeswirtschaftsministerium hat Tränen in den Augen, als er von der Spende seines Mitarbeiters erfährt: Sein Neffe hatte Leukämie und nicht überlebt. Die Stammzellspende war 2013. 2014 ist Christa Hubers Kampf gegen den Blutkrebs noch nicht zu Ende. Sie braucht noch einmal Unterstützung von dem fremden Mann aus Berlin: Lymphozyten – weiße Blutkörperchen, um die Krebszellen endgültig zu verdrängen.

Zurück im Leben: Ein 1. Treffen

„Ich bin froh, dass mich die Stefan-Morsch-Stiftung ausfindig gemacht hat. Das hätte auch schief gehen können“, sagt er. Andrea Djifroudi, Sprecherin der Stefan-Morsch-Stiftung, erklärt: „Das Beispiel zeigt wie wichtig es ist, dass die Adressdaten der registrierten Spender aktuell sind. Denn im Ernstfall müssen wir als Stammzellenspenderdatei die Spender schnell erreichen können.“

Inzwischen ist Christa Huber wieder ins Leben zurückgekehrt – unendlich dankbar, dass dies möglich war. 2016 – nach ersten Briefen und ausgetauschten Fotos – fand das erste Treffen in Berlin statt. „Als wir uns gegenüber standen, hatten wir erst einmal keine Worte“, erzählen beide unisono. Die Ehepartner überbrücken die für beide Seiten überwältigende Situation. Auch sie haben diese Lebensgeschichte mitgeschrieben – sind betroffen und angefasst von dem, was eine Stammzellspende möglich macht: Ein Leben retten!  (dji)

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