Weltkrebstag: Maike und Timo – Als Team den Krebs besiegt

Artikel vom 3. Februar 2019

Timo Schwab aus Ehekirchen hat mit Maike Ackermanns Stammzellspende den Krebs besiegt. Foto: Stefan-Morsch-Stiftung

Timo Schwab aus dem oberbayerischen Ehekirchen und Maike Ackermann aus Elm (Kreis Saarlouis) sind ein gutes Team im Kampf gegen Krebs. 2015 hat die Saarländerin für den 28-Jährigen Stammzellen bei der Stefan-Morsch-Stiftung – Deutschlands erster Stammzellspenderdatei – gespendet. Die Spende war damals Timo Schwabs letzte Chance auf Leben. Jetzt haben sie sich zum ersten Mal getroffen. Anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar, möchten beide mehr Menschen motivieren, sich als Stammzellspender zu registrieren.

Stammzelltransplantation war letzte Chance

Angefangen hatte es mit Fieber und Nachtschweiß, nachdem Timo Schwab beruflich in Malaysia war. Ein paar Wochen war der Elektroniker dort im Auftrag seiner Firma, einem Unternehmen für Spezialtiefbau. Dann die Diagnose „Hodgkin-Lymphom“ – ein Schock für ihn und seine Familie. Wenig später beginnt die Chemotherapie. „Das Gefühl, auf Hilfe von anderen angewiesen zu sein, war nicht schön“, sagt er. Trotz Chemotherapie kam der Krebs zwei Mal zurück. Zwei Jahre nach der Diagnose gab es für den damals 25-Jährigen nur noch eine Überlebenschance: „Entweder ich setze meine Hoffnung auf eine Stammzelltransplantation oder mir wären nur noch sechs Monate geblieben“, erinnert er sich. „Meine Familie war mir in der Zeit und danach eine große Hilfe.“

Glücksfall: Passende Spenderin gefunden

Ein glücklicher Zufall wollte es, dass sich seine genetisch passende Spenderin schon 2014 bei der Stefan-Morsch-Stiftung registriert hatte. Im Oktober 2015 hat sich die Birkenfelder Stiftung bei Maike Ackermann gemeldet und gefragt, ob sie noch zu einer Spende bereit wäre: „Klar war ich dazu bereit, dafür habe ich mich doch registriert.“ Seit einem Jahr arbeitet sie inzwischen neben dem Umweltwirtschaft-Studium auch bei der Stiftung und klärt andere Menschen über die Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke auf. Immer wieder erzählt sie dann, wie sie ihre Spende erlebt hat: „Ich habe in der Entnahmestation der Stiftung per Apherese gespendet. Das funktioniert so ähnlich wie eine Blutplasma-Spende. Das war kein Problem. Alles war sehr entspannt.“ Erst nach der Spende erfährt sie, dass der Empfänger ein Mann, Mitte 20, in Deutschland ist. Die damals 18-Jährige hofft, dass es ihm bald wieder besser geht und sie ihn irgendwann treffen kann. Zwei Jahre nach der Spende ist das möglich. Bis dahin erlaubt der Gesetzgeber nur anonymisierten Kontakt.

„Ich war froh über die Spende, aber für mich war der Kampf noch nicht gewonnen“

Während Maike Ackermann sich auf ihr Studium am Umweltcampus in Birkenfeld konzentriert, kämpft Timo Schwab weiter gegen den Krebs. „Ich war froh über die Spende, aber für mich war der Kampf noch nicht gewonnen“, sagt er. Eine Stammzelltransplantation ist eine hochriskante Therapie. Abstoßungsreaktionen, Infektionen in Folge des geschwächten oder fehlenden Immunsystems, chronische Hauterkrankungen und Schmerzen sind vier der vielen Nebenwirkungen.

Als er im Januar 2016 aus dem Klinikum in Augsburg entlassen wird, kauft er sich sofort ein neues Auto. „Das war im Krankenhaus mein Ziel. Das neue Auto habe ich als Belohnung nach der Therapie gesehen.“ Ein paar Dinge haben sich für ihn verändert: „Man lebt nach sowas bewusster und erfüllt sich seine Träume eher.“

Treffen mit der Lebensretterin

Im vergangenen Herbst kam ein Päckchen für ihn an, dass die Stefan-Morsch-Stiftung ihm im Auftrag seiner Spenderin geschickt hat: „Die zwei Jahre der Kontaktsperre waren schon länger abgelaufen. Ich habe Timo ein saarländisches Care-Paket geschickt – mit Maggi und Lyoner – und ihm geschrieben, dass ich gerne Adressen austauschen würde“, erzählt sie grinsend. Wenige Wochen später hat sie ihn schon mit ihren Eltern, ihrem Freund und der besten Freundin in Empfang genommen. In den drei Tagen haben sie viel unternommen: „Wir waren essen, haben ein paar schöne Ecken von Saarlouis gesehen und ein paar Sehenswürdigkeiten. Maike hat mir auch die Stefan-Morsch-Stiftung gezeigt, wo wir noch eine kleine Führung machen konnten und sie hat mich zum Umweltcampus mitgenommen. Ein sportliches Programm“, grinst Timo Schwab. Dann wird er ernst: „Wenn sich Maike nicht typisieren gelassen hätte, gäbe es mich vielleicht nicht mehr. Es ist wichtig, dass sich Menschen typisieren.“ Maike Ackermann gibt ihm recht: „Sich als Stammzellspender zu registrieren ist das Mindeste, was ein gesunder Mensch tun kann.“ (az)

Wie funktioniert eine Stammzellspende?

Um die Stammzellen beim Spender zu entnehmen, gibt es heute zwei Varianten: Bei der klassischen Methode der Knochenmark-Entnahme entnehmen Mediziner die Stammzellen aus dem Beckenknochen des Spenders. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die zweite Methode ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Dieser Botenstoff löst beim Spender im Vorfeld oft grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen aus. Diese verschwinden aber mit der Entnahme der Stammzellen.

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