Veronica trägt die Locken ihres Lebensretters

Artikel vom 27. September 2016

Veronica Horinceanu trifft bei der Stefan-Morsch-Stiftung ihren Lebensretter Thomas Stumm. Foto: Stefan-Morsch-Stiftung

Leben retten, das ist das Ziel, das sich die Stefan-Morsch-Stiftung vor 30 Jahren gesetzt hat. Viele Hunderttausend Menschen hat sie seither in ihre Stammzellspenderdatei aufgenommen, um Leukämie- und Tumorpatienten zu helfen. Mehr als 6000 Mal konnte bislang ein passender Spender für einen Patienten gefunden werden. Einer von ihnen ist Thomas Stumm aus dem Kreis Birkenfeld, der einem kleinen Mädchen aus Rumänien das Leben gerettet hat.

Veronica Horinceanu aus Schäßburg in Siebenbürgen ist heute 11 Jahre alt. Was sie und ihre Familie durchgemacht haben, ist für Außenstehende kaum vorstellbar. Leukämie ist eine bösartige Erkrankung aller blutbildenden Organe des Körpers. Dazu gehören das Knochenmark, die Milz und das Lymphsystem. Wenn Chemotherapie und/oder Bestrahlung das Leben des Patienten nicht retten können, dann ist die Transplantation von Stammzellen eines gesunden Spenders die letzte Chance. Für Patienten und ihre Angehörigen ist das die Hölle – eine Zeit zwischen Bangen und Hoffen, oft zwischen Leben und Tod. Wird in der eigenen Familie kein genetisch passender Spender gefunden, beginnt die Suche nach einem fremden Spender. So war es auch bei der damals 9-jährigen Veronica. Das war 2014.

2016 steht das Mädchen mit den großen braunen Locken jetzt auf einem Foto neben Thomas Stumm. „Erou“ nennt sie den 29-jährigen. Das heißt Retter auf Rumänisch. In der Woche vor dem ersten Treffen mit Veronica und ihrer Familie hat der 29-Jährige nicht gut geschlafen: „Die Anspannung war schon sehr groß.“ Veronica und ihrer Familie geht es genauso. Sie freuen sich seit Wochen, sind 1730 Kilometer mit dem Auto nach Birkenfeld gereist, um „Multumesc!“ zu sagen.

Die tiefe Verbundenheit war sofort da

Als sie sich dann gegenüberstehen, ist es egal, dass Thomas Stumm kein Rumänisch kann. Veronicas Mutter ist eine kleine Frau, sie drückt ihn ganz fest und sagte nur ein Wort: „Multumesc!“ – „Danke!“ Die „tiefe Verbundenheit“, sagt Stumm, war sofort da. Auch er sucht nach Worten und wirkt, als ob er eigentlich noch nicht die richtigen gefunden hat: „Ich realisiere erst jetzt: Dieses Mädchen sitzt hier, weil ich gespendet habe.“

Fotos aus der Zeit der Transplantation

Familie Horinceanu hat Fotos für Thomas Stumm mitgebracht: von Veronica vor und nach der Transplantation, von der Zeit nach den Krankenhausaufenthalten und dem Alltag, der sich so langsam wieder in der Familie einspielt. „Auf fast allen Bildern sieht man Veronica und ihre Familie mit einem riesen Grinsen. Sie sind so glücklich, dass ich das gemacht habe. Dabei fühle ich mich nicht so, als hätte ich viel getan. Der kleine Eingriff ist mit dem, was sie durchmachen mussten – monatelanges kämpfen und hoffen – nicht zu vergleichen“, sagt er. „Es ist super zu wissen, dass Sie es mit meiner Spende geschafft hat.“

Größer als die Mama

v. l.: Thomas Stumm und seine Mutter, Hanaj, Veronika und Marijel Horinceanu beim Spender-Empfänger-Treffen 2016 in Birkenfeld. Foto: Stefan-Morsch-Stiftung.

v. l.: Thomas Stumm und seine Mutter, Hanaj, Veronika und Marijel Horinceanu beim Spender-Empfänger-Treffen 2016 in Birkenfeld. Foto: Stefan-Morsch-Stiftung.

Nach der Transplantation von Stumms Stammzellen machte Veronica einen großen Wachstumsschub und ist jetzt ein bisschen größer als ihre Mutter. Adrian Marcu, Veronicas Cousin aus Salzburg, übersetzt was die Eltern des Mädchens beim ersten Treffen beobachtet haben:  „Alle in der Familie sind eigentlich recht klein. Auch Veronicas glatte braune Haare von früher sind als Locken nachgewachsen. Stumm, der deutlich größer ist, als Veronicas Vater, lächelt, als die  Eltern vollkommen überzeugt erklären, dass die schönen neuen Locken „von Thomas sein müssen!“ Er schmunzelt: „Ich hatte als Kind auch Locken.“ Immer wieder übersetzt Adrian, wie dankbar die Eltern sind, dass sie überglücklich sind und dass für sie ein großer Wusch in Erfüllung gegangen ist, Veronicas „Erou“ – Held – kennnengelernt zu haben.

Ein schöner Lebensretter

Auf jeden Fall möchten sie sich wieder sehen und bis dahin Kontakt halten. „Wir haben alle möglichen Kontakte ausgetauscht und wir möchten uns gegenseitig besuchen“, lächelt Stumm. Und wenn man Veronica fragt, wie sie ihren Lebensretter findet? „Schön“, übersetzt Adrian das kurze Murmeln der großen Elfjährigen mit der modischen Brille und die Mutter lächelt ihre Tochter liebevoll an. (AZ)

Wie funktioniert eine Stammzellspende? Das erfährt man hier.

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