Trauer um Prof. Dr. med. Shraga Felix Goldmann

Artikel vom 4. Dezember 2017

Professor Shraga Goldmann (r.) erhielt von Emil Morsch die goldene Verdienstmedaille der Stefan-Morsch-Stiftung.

Die Stefan-Morsch-Stiftung nimmt Abschied von Prof. Dr. med. Shraga Felix Goldmann, der am 28. November kurz vor seinem 82. Geburtstag verstarb. Professor Goldmann war eine Schlüsselfigur in der Immungenetik und der Transfusionsmedizin.

Shraga Goldmann wurde 1935 als siebtes Kind jüdischer Eltern in Berlin geboren, mit denen er drei Jahre später unter schwierigsten Umständen noch nach Palästina emigrieren konnte. Dort wuchs er auf, absolvierte nach dem Schulabschluss den Militärdienst und war anschließend für zwei Jahre Mitglied in einem Kibbuz.

Dass er sich 1959 für ein Medizinstudium in Deutschland entschied, war eine gleichermaßen mutige wie ungewöhnliche Entscheidung. Sie ist einer von vielen Belegen für seinen freien Geist und seine offene und vorurteilsfreie Art, mit Menschen umzugehen und sein Leben zu leben.

Nach dem Studium wandte er sich in Hamburg der Transfusionsmedizin und dann im dänischen Aarhus unter Fleming Kissmeyer-Nielsen der noch jungen Immungenetik zu. Von dort kam er 1972 nach Ulm, wo er an der Universität die Gewebetypisierung etablierte. Sein Fachgebiet war die Immungenetik und die Transfusionsmedizin, die er  bis 2002 als Leiter der Abteilung Transplantationsimmunologie in der Blutspendezentrale Ulm des DRK Blutspendedienstes Baden-Württemberg-Hessen prägte.

In den Jahren 1983/84 unterstützte er Familie Morsch bei der Suche nach einer Therapie, mit der ihr an Leukämie erkrankter Sohn Stefan gerettet werden könnte. Nach Stefans Tod und dem Entschluss der Familie, die erste deutsche Stammzellspenderdatei zu gründen, arbeitete man Hand in Hand am Aufbau einer zentralen Datenbank. Vor 25 Jahren gab es in Deutschland viele kleine Spenderdateien, von denen kaum eine über mehr als einige Hundert Spender verfügte. Es existierten auch keinerlei Strukturen, die eine Verwaltung dieser Daten möglich machte. Prof. Dr. Shraga Goldmann und Dr. Dr. Carlheinz Müller entwickelten ein Programm zur besseren Abwicklung von Suchanfragen. Dies war der Beginn eines zentralen Registers, das vor 25 Jahren aus der Taufe gehoben wurde.

Er hat schon früh erkannt, dass ein großes zentrales Register für Knochenmarkspender in Deutschland die Voraussetzung dafür ist, dass viele Leukämiekranke von dieser neuen, erfolgversprechenden Therapieform profitieren können. 1992 wurde dann seine Zielstrebigkeit in dieser Sache vom Bundesministeriums für Gesundheit belohnt, indem die jahrelangen Vorarbeiten seiner Arbeitsgruppe in das neu gegründete Zentrale Knochenmarkspender-Register für Deutschland in Ulm überführt wurden.

Seine wissenschaftlichen Arbeiten in der Transfusionsmedizin widmeten sich vorwiegend der Erforschung von immunologischen Reaktionen auf Bluttransfusionen. Die daraus resultierenden Konzepte zu deren Vermeidung sind heute Routine. Durch die Charakterisierung zahlreicher HLA-Untergruppen verbesserte er wesentlich die Genauigkeit der Gewebetypisierung und damit die Erfolgsaussichten von Transplantationen.

Shraga Goldmann war ein scharfsinniger Wissenschaftler, ein beharrlicher Forscher, ein Macher und Kämpfer mit politischem Gespür und dem für den Erfolg notwendigen Geschick. Vor allem aber war er ein bescheidener, hilfsbereiter und warmherziger Mensch mit einem hohen sozialen Verantwortungsbewusstsein und einem überaus feinsinnigen Humor.

Der Stefan-Morsch-Stiftung und der Gründerfamilie blieb Shraga Goldmann, der sich auch politisch stark engagierte, immer verbunden.

Wir sind dankbar, dass wir ihn an unserer Seite im Kampf gegen die Leukämie hatten. Das tiefe Mitgefühl gilt seiner Familie.

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