Mario und Dorothy – und das Familienfoto

Artikel vom 6. September 2018

Familienfoto in Schottland: Die Powries und die Dörings vereint.

Es sieht aus wie ein ganz normales Familienfoto. Ein Ehepaar umringt von Kindern und Enkelkindern – alle sind fröhlich, alle lachen. Mario Döring aus Gescher ist einer der Menschen auf dem Bild. Er hat sich hinten hingestellt – wahrscheinlich mit Absicht. Dabei ist er der Mann, der dieses Bild möglich gemacht hat. #WMDD2018 Der 38-Jährige hat vor fünf Jahren Stammzellen gespendet, ohne zu wissen, wem er damit möglicherweise das Leben rettet. Heute weiß er es: Dorothy Powrie (61 Jahre alt), die Frau die sich mit Ihrer Familie und ihm zu diesem Gruppenfoto zusammengestellt hat.

Horrordiagnose: Leukämie

Die Geschichte beginnt im Jahr 2006: Mario Döring arbeitet als Bankkaufmann bei der NRW Bank, er ist gerade Vater einer Tochter geworden, als er sich bei der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands erste Stammzellspenderdatei, registrieren lässt: „Das war eine Selbstverständlichkeit!“, sagt er. Ein Satz der noch öfter fallen wird.

Der World Marror Donor Day wird am 15. September 2018 gefeiert.

Typisierung? Selbstverständlich!

Doch was er für selbstverständlich hält – sich typisieren zu lassen – rettet im Ernstfall einem Menschen das Leben. Einem  Menschen wie Dorothy Powrie. Dorothy wohnt in Schottland, ist verheiratet und Mutter von drei erwachsenen Töchtern als sie 2013 an Leukämie erkrankt. Wenn ihr Mann heute von dieser Zeit erzählt, weint er. Die Diagnose ist „very, very, very very awful“ – furchtbar … fürchterlich.  Irgendwann sagen die Ärzte, dass nur eine Stammzelltransplantation Dorothys Leben retten kann. Wie so oft gibt es in der Familie keinen passenden Spender. „Das ist in mehr als zwei Dritteln der Fälle so“, erklärt die Stefan-Morsch-Stiftung. „Dann wird – wenn nötig – weltweit nach einem fremden Spender gesucht, der die passenden genetischen Merkmale wie der Patient besitzt.“

Mario ist ein Volltreffer

In Deutschland gibt es rund 30 Spenderdateien – die Stefan-Morsch-Stiftung war 1984  die erste Stammzellspenderdatei in Deutschland. Alle diese Dateien speisen ihre Daten in das deutsche Zentralregister des ZKRD ein. Dort laufen Suchanfragen aus aller Welt auf – wie auch die für Dorothy Powrie. Deren genetische Merkmale wurden mit den registrierten Stammzellspendern abgeglichen. Eine Zeit, in der die Patienten und ihre Angehörigen zwischen Hoffnung und Bangen schwanken. Optimaler Weise stimmen 10 von 10 Merkmalen überein. Mario Dörings Spendernummer steht ganz oben in der Liste als die Abfrage gemacht wird. Seine genetischen Merkmale stimmen perfekt überein.

Mario Döring hat Stammzellen bei der Stefan-Morsch-Stiftung gespendet. 2017 macht er sich auf den Weg nach Schottland.

Spende? Selbstverständlich!

Im Herbst 2013 bekommt er einen Anruf der Stefan-Morsch-Stiftung. Die Frage lautet: Sind Sie bereit zu helfen? „Selbstverständlich! Man freut sich doch, wenn man helfen kann“, war Dörings Antwort. Seine Stammzellen treffen am 11. Dezember 2013 in Glasgow ein. Noch wissen Dorothy und Mario nicht, wer der jeweils andere ist. Doch in dem Moment, als die Transfusion in Dorothys Venen tropft, verbinden sich beider Leben.

Eine tapfere Kämpferin

„Brave – tapfer“ beginnt Dorothys Kampf ums Überleben. Mit Hilfe von Marios Stammzellen wird sie überleben. Sie kämpft und gewinnt. Sie erlebt wie alle drei Töchter den Mann fürs Leben finden – ist bei den Hochzeiten dabei. Zwei Enkeltöchter kommen auf die Welt.  Sie dürfen auf dem Schoß von Grandma sitzen.

Und Mario Döring? Er hatte sich 2013 direkt nach seiner Spende Folgendes gewünscht: “Ich würde mich riesig freuen, wenn es der Person hilft und ich den Empfänger irgendwann einmal kennenlernen dürfte.“

Radtour nach Schottland

2017 ist es soweit. Er nimmt sich zwei Monate frei und mit dem Rad nach Schottland. Eine unbeschreibliche Reise, an deren Ziel Dorothy steht. Sie hatten sich geschrieben, sie hatten Fotos ausgetauscht… dann standen sie sich gegenüber. Graeme Powrie, Dorothys Mann, kann diesem Moment immer noch kaum in Worte fassen: „Ohne Mario wäre das Glück dieser Familie nicht mehr so wie es jetzt ist.“ Mario Döring spricht wieder von einer „Selbstverständlichkeit“: „Ich würde es wieder tun!“

2018: Graeme und Dorothy mit Stammzellspender Mario Döring

Familientreffen

2018 hat er seine Frau und seine Tochter nach Schottland mitgenommen. Auf dem Familienfoto kann man nicht unterscheiden, wer zur einen oder zur anderen Familie gehört. Das ist auch nicht nötig… denn alle gehören zusammen.

Pläne für 2019

2019 will man Ostern miteinander feiern. Sie erzählen ihre Geschichte, weil sie „Hope – Hoffnung“ geben wollen. Sie wollen zeigen, was man bewirken kann, wenn man sich als Stammzellspender registrieren lässt: „Jeder registrierte Spender ist ein Zeichen der Hoffnung für einen Patienten und seine Familie!“, sagt Graeme Powrie, der sich seit langem in England dafür einsetzt, dass sich mehr Spender registrieren lassen. (dji)

Weltstammzellspendertag (WMDD)

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Die WMDA (World Marrow Donor Association) ist der weltweite Zusammenschluss von Stammzellspenderdateien, -registern und Nabelschnurblutbänken, bei der insgesamt mehr als 32 Millionen Stammzellspender registriert sind. Die WMDA ruft dieses Jahr zum voerten Mal am 15. September den World Marrow Donor Day aus. Auch die Stefan-Morsch-Stiftung beteiligt sich daran. Ziel ist es,  den Menschen zu danken, ohne die die Arbeit der Stammzellspenderdatei nicht möglich wäre – den Stammzellspendern. #ThankYouDonor to all heroes who signed up as blood stem cell donor. #WMDD2018

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