HLA-Workshop 2019: Freunde und Feinde in den Genen

Artikel vom 10. Mai 2019

Speichelproben mit genetischem Material im Labor der Stefan-Morsch-Stiftung

Wenn sich etwa 150 Labor-Fachleute aus dem deutschsprachigen Raum alljährlich im Hunsrück treffen, geht es um Freund und Feind, um Gut und Böse. Denn Human Leukocyte Antigene (HLA) sind eine Gruppe menschlicher Gene, die für die Funktion des Immunsystems von zentraler Bedeutung ist. Als Gäste der Stefan-Morsch-Stiftung werden Anfang Juni erneut, die neusten Entwicklungen wie etwa die Heilung von Aids-Patienten nach einer Stammzelltransplantion diskutiert.

Genetischen Merkmalen auf der Spur

Zum 17. Mal treffen sich die Labor-Experten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg zum HLA-Workshop der Birkenfelder Stiftung, die nicht nur die erste Stammzellspenderdatei Deutschlands betreibt, sondern auch eines der größten Labore. 16 Mitarbeiter bearbeiten im rheinland-pfälzischen Birkenfeld jährlich rund 20 000 Speichel- und Blutproben. Die Analyse dient dazu, die für eine Transplantation von Stammzellen relevanten Merkmale zu erfassen.

Kampf gegen Abstoßung

Je ähnlicher sich HL-Antigene von Spender und Empfänger sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Abstoßungsreaktion. Diese Gene sind also an der Erkennung körpereigener und körperfremder Stoffe beteiligt. Dies ist neben Organtransplantationen bei Autoimmunerkrankungen wichtig, da hier die Unterscheidung zwischen Freund und Feind verloren geht und körpereigene, gesunde Zellen attackiert werden.

HIV in Focus

Dr. med. Diplom-Biochemiker Thomas Binder, Facharzt für Transfusionsmedizin am Zentrum für Diagnostik im Institut für Transfusionsmedizin an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf, wird bei seinem Referat erläutern, welches Phänomen der Tatsache zugrunde liegt, dass ein HIV-positiver Leukämie-Patient nach der Transplantation von Stammzellen eines Spenders mit einer bestimmten Gen-Variante nicht nur von der Leukämie geheilt wurde, sondern auch HIV-frei ist.

Ein weiterer Referent ist Dr. Klaus Kühlcke, Managing Director von Biontech in Idar-Oberstein, der die Teilnehmer der anerkannten Fortbildungsveranstaltung über die „Nutzung von Blutzellen für Zell- und Gentherapie-Anwendungen“ informieren wird. (dji)

Die Referenten sind:

  •  Dr. Barbara Bangol (Martinsried) – HLA haplotype loss – Analyse nach haploidenter HSZT
  • PD Dr. Gerald Schlaf (Halle) – Allel-spezifische anti-HLA-Antikörper – Fluch der lowres Typisierung
  • Dr. Andrea Dick (München) – Bedeutung von HLA-Antikörpern vor und nach Lungentransplantation
  • Dr. Christof Gassner (Zürich) – Blutgruppensysteme
  • Dr. Michael Wittig (Kiel) – Probenanreicherung ohne PCR
  • Prof. Dr. Richard Jäger (Rheinbach) – DNA-Profile aus einzelnen Spermien mittels „Whole Genome Amplification“
  • Dr. Thomas Binder (Hamburg) – The Berlin Patient – Heilung von AIDS durch Stammzelltransplantation
  • Dr. Harald Biersack (Lübeck) –   Allo-Stammzelltransplantation oder Car-T-Cells? Ein Ausblick
  • PD Dr. Cornelia Brendel (Marburg) – Diagnostik der minimalen Restkrankheit (MRD)
  • Dr. Eduard Petershofen (Oldenburg) – QS-Probleme im Labor
  • Dr. Klaus Kühlcke (Idar-Oberstein) – Nutzung von Blutzellen für Zell- und Gentherapie-Anwendungen

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