Hilfe für Leukämiekranke macht Schule

Artikel vom 1. Dezember 2015

Bio-Leistungskurs des Gymnasiums Hermeskeil beim Projekttag im HLA-Labor der Stefan-Morsch-Stiftung

Was hat die PCR-Sequenzierung aus dem Biologie-Unterricht mit der Arbeit der Stefan-Morsch-Stiftung zu tun? Was ist „Homing“ in der Genetik? Und wie rettet dieser Effekt jeden Tag Leben? Fast 20 Schüler des Hermeskeiler Gymnasiums haben nun auf alle diese Fragen eine Antwort. Vor wenigen Tagen besuchte der Biologieleistungskurs der 13. Klasse die Stefan-Morsch-Stiftung. Die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands öffnet immer wieder auf Anfrage ihre Türen, damit Schüler und Studenten in der Praxis erleben können, dass Genetik kein trockener Stoff ist – sondern jeden Tag dazu beiträgt, das Leben von Leukämie- und Tumorkranken zu retten.

Seit vielen Jahren organisieren Schüler und Lehrer des Hermeskeiler Gymnasiums immer wieder Typisierungsaktionen an der Schule. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung aber nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben.  Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Das wussten die Schüler des Biologie-Leistungskurses. Durch den Besuch der Stefan-Morsch-Stiftung konnten sie nun jedoch einen Vormittag lang ergründen, welcher Teil des menschlichen Genoms bei der Transplantation von Stammzellen entscheidend ist und warum, beispielsweise die Eltern eines Patienten nicht die „richtigen“ Spender sein können.

Die Stefan-Morsch-Stiftung bietet Schulen, Fachhochschulen und Universitäten regelmäßig praxis- und vor allem lebensnahe Unterrichtsmodule für die entsprechende Altersstufe an: So besuchen Referenten aus der Stiftung die unterschiedlichsten Bildungseinrichtungen, um dort zielgruppengerecht entsprechende Fachvorträge, etwa über die praktische Anwendung von Molekulargenetik, zu halten. Umgekehrt können Schulklassen und Studienkurse Führungen und Workshops im hauseigenen Labor der Stiftung machen. Das bedeutet: Theoretisches Wissen aus dem Biologie-Unterricht oder der Genetik wird in die Praxis umgesetzt und zugleich das Zusammenspiel zwischen Spenderdatei, Labor, Entnahmestation und Transplantationskliniken erklärt.

Bio-Kursleiterin Inkari Kowoll und ihre Schüler fanden die Exkursion nach Birkenfeld so spannend, dass sie wiederkommen wollen: „Ich wünschte, wir hätten den Besuch bei der Stefan-Morsch-Stiftung früher gemacht. Dann wäre mir das Lernen der jeweiligen Sachverhalte leichter gefallen, da ich mir jetzt alles besser vorstellen kann“, sagt eine Schülerin am Ende des Vormittags. Besonders fasziniert waren die Schüler vom praktischen Teil: Die Schüler konnten hautnah erleben, dass Molekularbiologie kein trockener Stoff ist – sondern ein wichtiges Element in einem Netzwerk, das tagtäglich weltweit Leben rettet.

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Was ist Leukämie?

„Leukämie“ ist der Oberbegriff für eine ganze Gruppe von Erkrankungen des blutbildenden Systems. Das Blut setzt sich aus Zellen (Blutkörperchen) und einer Flüssigkeit, dem Blutplasma, zusammen. Bei den Blutkörperchen werden dabei drei Arten unterschieden: die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten). Alle Blutzellen haben abhängig von ihrer Funktion eine begrenzte Lebensdauer. Im Knochenmark entstehen daher aus so genannten Blutstammzellen durch Zellteilung oder Reifungsschritte ständig neue Blutzellen, die dann in den Blutkreislauf übertreten. Bei einer Leukämie kommt es zu einer starken Vermehrung von weißen Blutkörperchen, insbesondere der noch funktionsuntüchtigen, jugendlichen Vorstufen. Diese Leukämiezellen verdrängen die normale Blutbildung im Knochenmark. Das stört den normalen Ablauf der Blutbildung und führt zu einem Mangel aller Arten gesunder Blutzellen. Dabei führt die Verminderung roter Blutkörperchen zu Blässe und Leistungsschwäche und die Verminderung der Blutplättchen zu vielen blauen Flecken oder schwer stillbaren Blutungen (Nasenbluten). Das Fehlen gesunder weißer Blutkörperchen führt zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen.

Abhängig von der Art der weißen Blutkörperchen, aus denen die Leukämiezellen hervorgehen, unterscheiden die Mediziner zwischen myeloischen und lymphatischen Leukämien. Beide Leukämiearten können jeweils eine akute oder chronische Verlaufsform annehmen. Akute Leukämien entwickeln sich sehr rasch und ohne Behandlung tritt hier innerhalb weniger Wochen ein lebensbedrohlicher Zustand ein. Im Gegensatz dazu sind chronische Leukämien schleichende Erkrankungen, bei denen der Patient über Monate und Jahre symptomarm bleiben kann. Mehr Info: Stefan-Morsch-Stiftung (www.stefan-morsch-stiftung.de), gebührenfreie Info-Hotline 08 00 – 766 77 24, Bitte aktivieren Sie JavaScript, um die E-Mail-Adresse anzuzeigen.

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