Genetische Schwestern besiegen Blutkrankheit

Artikel vom 1. Juni 2019

Nach Stammzellspende verbunden: Tanja Raubuch (links) und Petra Brandt (rechts) kämpften gemeinsam gegen Brandts tödliche Bluterkrankung. Foto: Tanja Raubuch

„Katzelsdorf“ – Tanja Raubuch aus Wemmetsweiler (Kreis Neunkirchen) hat nicht geahnt, dass sie irgendwann zu dem österreichischen Ort in der Nähe von Wien eine enge Verbindung haben könnte. Bis sich im Januar 2019 eine Frau meldete, der sie 2013 mit einer Stammzellspende bei der Stefan-Morsch-Stiftung das Leben gerettet hat.

Zwei Mal haben sie sich getroffen und sie planen, noch viele Male die rund 1000 Kilometer zu überwinden, die zwischen ihnen liegen. „Ich habe keine Schwester. Petra habe ich einfach als eine adoptiert“, lacht die 50-jährige Tanja Raubuch, die seit 2001 bei der Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands erster Stammzellspenderdatei, typisiert ist. Auch ihre beiden Töchter ließen sich registrieren, sobald sie alt genug waren. „Wer kann, sollte sich typisieren. Es ist so einfach, auf diese Weise Leben zu retten“, meint die Bürokauffrau.

„Es war klar, dass mir nur eine Stammzellspende helfen kann“

„Myelodysplastisches Syndrom“- eine Krankheit, von der Tanja Raubuch noch nie gehört hat, wurde 2011 bei Petra Brandt festgestellt. Im Knochenmark wurden kranke, unreife Blutzellen gebildet. „Es war klar, dass mir nur eine Stammzellspende helfen kann, falls sich meine Werte weiter verschlechterten“, erzählt die 46-jährige Österreicherin. Sie lässt sich nicht unterkriegen: „Ich habe versucht, normal weiterzuleben, bis klar war, dass ein Spender gesucht werden muss.“ Bis zur Stammzelltransplantation 2013 koordinierte sie als Umlaufplanerin bei der Österreichischen Bundesbahn die Fahrten der einzelnen Züge und war bis dahin auch kommunalpolitisch aktiv.

Nicht für jeden Patienten wird ein genetisch passender Stammzellspender gefunden

Petra Brandt hatte Glück. Schnell kam die Nachricht, dass es einen passenden Spender gibt. Damals wusste sich noch nichts Weiteres über diesen Menschen. Außer, dass sie die selben genetischen Gewebemerkmale (HLA-Werte) haben – die Voraussetzung, um für einen Patienten zu Spenden. Für sie war das der mentale Rettungsanker: „Ich habe mitangesehen, wie andere jahrelang auf einen passenden Spender warteten, bis sie starben. Ich habe mir vorgenommen, da lebend rauszukommen. Ich kann meinen Mann nicht alleine lassen, das meinen Eltern nicht antun.“ Sie träumte davon, mit ihrem Mann und Hund Mocco das frisch renovierte Haus, mit dem neuangelegten Traumgarten zu genießen und noch viel Zeit mit ihren Nichten und Neffen zu verbringen.

Ambulante Stammzellspende bei der Stefan-Morsch-Stiftung

Rund drei Stunden saß Tanja Raubuch in der Entnahmestation der Birkenfelder Stammzellspenderdatei, verbunden mit einem Apheresegerät. Ähnlich wie bei der Blutplasmaspende wurden Stammzellen aus ihrem Blut in einem Beutel gesammelt. Am darauffolgenden Morgen wurden Petra Brandt die Stammzellen wie eine gewöhnliche Infusion verabreicht, genau um 9.30 Uhr. „Mein sozusagen zweiter Geburtstag beginnt um die gleiche Zeit, wie mein eigentlicher. Es hat 25 Minuten gedauert, bis der Beutel leer und Tanjas Stammzellen durch meine Adern flossen“, erinnert sich Brandt.

Eine Stammzelltransplantation ist eine Hochrisiko-Therapie, die oft lange oder dauerhafte Folgeerkrankungen nach sich zieht. Auch Petra Brandt spürt, wie ihr Körper unter der Erkrankung und der Behandlung gelitten hat. Aber die Arthrose und die Kniebeschwerden halten sie nicht davon ab, mit ihrem Mann zu reisen. Mit der nächsten Reise erfüllt sich Petra Brandt einen ganz großen Traum: in Uganda Bergorillas sehen.

Mehr und mehr wird Brandt bewusst, wie schwer krank sie war und welche Rolle es für ihr Leben gespielt hat, dass es Menschen wie Tanja Raubuch gibt, die sich als Stammzellspender bei einer Organisation wie der Stefan-Morsch-Stiftung registrieren: „Das Thema ist extremst wichtig. Und es ist so einfach, Menschen mit der Spende zu helfen.“

 

Infostand zum Tag der Organspende und zur Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke:

Samstag, 1. Juni, 10 bis 17 Uhr, Saarbrücken, Fußgängerzone in der Bahnhofstraße, Infozelt vor Thalia

Mehr Informationen zum Tag der Organspende: www.infoteam-organspende-saar.de

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