Fred und Pierre: „Ohne ihn wäre ich tot!“

Artikel vom 18. September 2017

Francesca und Fred Schmitthammer besuchten 2017 zusammen mit Pierre Kückelmann die Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld. Foto: Stefan-Morsch-Stiftung

Francesca Barone Schmitthammer lacht. Die US-Amerikanerin ist eine Frau, bei der man sich nicht vorstellen kann, dass es andere Momente gibt. Zeiten, in denen sich ihre Stirn in Sorgenfalten legt. Doch heute strahlt sie. Ihr Blick ruht auf zwei Männern – ihrem Ehemann Fred und dem 34-jährigen Kraftfahrer aus Castrop-Rauxel: Pierre Kückelmann, der durch seine Stammzellspende vor sieben Jahren Fred das Leben gerettet hat. Jetzt haben alle zusammen die Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands erste Stammzellspenderdatei, besucht – ein Treffen, das anderen Mut machen soll.

Leukämie: Familie in Angst

Rückblick auf das Jahr 2010: Familie Schmitthammer wohnt in den USA. Fred ist Computer-Spezialist und engagiert sich privat für die Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Der Sohn einer befreundeten Familie war erkrankt. Ein Stammzellspender wurde gesucht, aber der Junge stirbt. Kurze Zeit später fühlt sich auch Fred immer schlapper. Seine Blutwerte sind schlecht. Im Mai bekommt er die Diagnose: Der Familienvater hat ebenfalls Blutkrebs. Er und seine Frau wissen, was das heißt. Sechs Kinder haben die beiden. Die Angst und die Sorge sind riesig. Wird es einen passenden Spender geben? Einen genetischen Zwilling, der die gleichen  Gewebemerkmale besitzt und bereit ist, Freds Leben durch eine Stammzellspende zu retten?

Stammzellspender in 9000 Kilometer Entfernung

Tatsächlich findet sich ein Spender, aber der steht nicht zur Verfügung. Eine niederschmetternde Nachricht für den Patienten. Also wird weiter gesucht – nach der Nadel im Heuhaufen. In der Spenderdatei der Stefan-Morsch-Stiftung findet sich der 100prozentige Treffer: Pierre Kückelmann aus dem mehr als 9000  Kilometer entfernten Castrop-Rauxel. Der 27-jährige Kraftfahrer hat sich 2005 als Stammzellspender registrieren lassen: „Die Mutter eines Handballkollegen war erkrankt. Da sind wir mit der ganzen Mannschaft zur Typisierung gefahren. Das war nur ein kleiner Piks.“

Besuch vom Lebensretter

Als er 2010 die Nachricht erhält, dass er eventuell als Spender gebraucht wird, ist es für ihn eine Selbstverständlichkeit, dass er hilft. Der Mann ist Westfale. Er redet nicht viel. Wenn Fred und Francesca ihn heute als Helden oder Lebensretter bezeichnen, dreht er sich verlegen weg. Er ist einer, der einfach zu seinem Wort steht.  An einem Dezembermorgen ist er in der Entnahmestation der Stefan-Morsch-Stiftung und lässt sich die Stammzellen entnehmen, die vorher durch einen körpereigenen Botenstoff dazu animiert wurden, in den Blutkreislauf überzugehen.

Rätsel um ein rosa Schwein

Fred auf der anderen Seite des Atlantiks weiß zu diesem Zeitpunkt nicht, wer sein Lebensretter ist. Das bleibt auch 2 Jahre lang so. Das Einzige was er nach der Transplantation erfährt, ist dass es ein Mann war. Auch Pierre weiß nichts von seinem genetischen Zwilling, er schickt nur eine anonymisierte Karte und ein kleines rosa Glücksschwein. Heute lachen Fred, Francesca und Pierre: Der Amerikaner wusste nicht, dass rosa Schweine in Deutschland als Glücksbringer gelten. Er hat gerätselt, warum ihm sein Spender wohl  ein quietschrosa Schwein geschickt hat. Er fand das seltsam, hat aber dieses Tier  gehütet wie seinen Augapfel.

Blutsbrüder: Fred Schmitthammer aus den USA und Pierre Kückelmann aus Castrop-Rauxel. Foto: Stefan-Morsch-Stiftung

Blutsbrüder: Fred Schmitthammer aus den USA und Pierre Kückelmann aus Castrop-Rauxel. Foto: Stefan-Morsch-Stiftung

Überraschungsgast

Nach zwei Jahren durften die beiden ihre Kontaktdaten austauschen. 2014 landet Francesca den absoluten Coup. Heimlich spricht sie mit Pierrre ab, dass er in die USA kommt. Bei der Geburtstagsparty von Freds Enkel steht Pierre dann plötzlich vor ihrem völlig verdutzten Mann. Kückelmann dazu: „Mir war total schlecht vor Aufregung. Ich wäre beinahe weggelaufen!“

Blutsbrüder

Seither gehen fast täglich Nachrichten hin und her. Die beiden sind Freunde, nein, mehr als das: Blutsbrüder.  Fred schluckt, wenn man ihn nach Pierre fragt: „Was soll ich sagen? Ohne ihn wäre ich nicht hier. Ohne ihn hätte ich keines meiner Enkelkinder kennenlernen dürfen. Ohne ihn hätte meine Frau keinen Mann mehr, meine Kinder keinen Vater. Ohne ihn wäre ich tot!“ (dji)

Die Geschichte in englischer Übersetzung – einfach hier klicken

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