Marian und Karl – ein ungleiches Paar?

Artikel vom 19. Dezember 2013

 

Karl Saur und Marian sind auf den ersten Blick ein ungleiches Paar. Sie sind weder verwandt noch verschwägert und trotzdem verbindet den jungen Mann und ehemaligen Beamten aus Dohr an der Mosel mehr als nur Freundschaft. Karl Saur aus Dohr bei Cochem an der Mosel hat vor 2001 mit einer Stammzellspende Marians Leben gerettet. Aber das ist nur der Höhepunkt einer Geschichte, die bis heute fortgeschrieben wird.

Emil Morsch, Gründer der Stefan-Morsch-Stiftung, wird immer noch ganz heiß und kalt, wenn er an die Zeit zurückdenkt: „Es war eine der dramatischsten Aktionen, die ich in all den Jahrzehnten erlebt habe.“ Marian war damals 9 Jahre alt – hatte Leukämie. Die behandelnde Klinik hatte das Kind aufgegeben und der Mutter erklärt: Es sei nichts mehr zu machen.  Die Mutter wendet sich an die Klinik in Idar-Oberstein. Dort informiert man die Stefan-Morsch-Stiftung. In der Spenderdatei beginnt man sofort mit der Suche nach einem passenden Stammzellspender. Tatsächlich: Die Gewebemerkmale von drei registrierten Spendern stimmen mit Marians Werten überein. Alle sind bei der Stefan-Morsch-Stiftung registriert. Hoffnung keimt auf. Für Marian gibt es drei potenzielle Spender – ein Glücksfall.

Doch diesem Glück muss noch gewaltig auf die Sprünge geholfen werden. Marians Zustand ist so, dass er innerhalb einer Woche transplantiert werden muss. Einer der drei  potenziellen Spender macht von seinem Recht Gebrauch, seine Einverständniserklärung zurückzuziehen.  Die beiden verbliebenen Spender sind aber nicht erreichbar. Es sind Ferien: Urlaubszeit. Die Mitarbeiterinnen der Stefan-Morsch-Stiftung wählen sich die Finger wund: Sie versuchen alles, um Kontakt mit den beiden verbliebenen Spendern zu bekommen.

Karl Saur ist einer der beiden ahnungslosen Lebensretter in Spé. Er hatte sich Jahre zuvor bei einer Typisierungsaktion in Zell an der Mosel registrieren lassen.  Die Sache ist längst vergessen. Der Beamte beim Koblenzer Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung hat ein paar Tage frei und ist mit seiner Frau in San Sebastian (Spanien) bei der Familie seiner Schwiegereltern zu Besuch.  In Koblenz auf seiner Dienststelle laufen unterdessen die Telefone heiß. Einer von Saurs Kollegen erinnert sich, dass Saurs Bruder ebenfalls im BWB beschäftigt ist. Der weiß, wo sein Bruder steckt. Endlich gelingt der Kontakt: „Mir wurde erklärt, worum es geht. Und dass ich sofort zu weiteren Untersuchungen nach Deutschland zurück müsse.“

Obwohl er so überrascht wurde von der Nachricht, steht für ihn außer Frage, dass er helfen will.  Am selben Abend fliegt er nach Frankfurt. Hiltrud Morsch, Mitbegründerin der Stiftung, holt ihn vom Flughafen ab und bringt ihn zu den vorbereitenden Untersuchungen. Schnell steht fest: Er ist der gesuchte und so dringend benötigte Spender für Marian. Mit Hilfe eines körpereigenen Botenstoffs, der ihm gespritzt wurde,  wird die Stammzellenproduktion in seinem Körper angeregt. Unterdessen wird bereits Marians Immunsystem durch eine letzte Chemotherapie zerstört. Mit Karl Saurs Stammzellen bekommt Marian ein neues blutbildendes System – die einzige Chance zu überleben.

Marian schafft den Sprung zurück ins Leben – und mehr als das. Marian führt heute das Leben eines jungen Mannes. Die Schule ist abgeschlossen.  Seinen Lebensretter kennt er seit langem. Eine Karte zu Ostern war Marians erstes Lebenszeichen an Karl Saur. Ein Jahr später standen sich die beiden bei der Stefan-Morsch-Stiftung das erste Mal gegenüber: ein kleiner Junge und ein erwachsener Mann, selbst Vater von zwei Kindern. Seitdem kreuzen sich ihre Wege mehrmals im Jahr. Jeder von ihnen hat einen festen Platz im Leben des anderen eingenommen und wer ihnen gemeinsam begegnet, spürt die Verbundenheit, um die gar nicht viele Worte gemacht werden.  Marian startet gerade in Berufsleben, trotzdem nimmt er sich immer wieder Zeit, um die Stefan-Morsch-Stiftung und ihre Arbeit zu unterstützen. Karl Saur und Marian raten jedem zur Typisierung.

Und so geht ihre Geschichte weiter. Sie zieht Kreise wie ein Stein der ins Wasser geworfen wird: Nicht nur Karl Saurs Familie ist typisiert, sondern auch die Familie von Marian. 2011 konnte Marians Bruder mit einer Stammzellspende einer Leukämiekranken die Chance auf Heilung geben.

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