Nicolas Pielen


Name: Nicolas Pielen

Alter: 21 Jahre
Wohnort: 56859 Bullay
Bundesland: Rheinland-Pfalz

Nicolas Pielen ist keiner, der viele Worte macht. Er ist einer auf den man sich verlässt, ein Ruhepool mit blitzenden Augen und trockenem Humor. Klar, dass er regelmäßig zur Blutspende geht. So war das auch vor zwei Jahren im August. Mit beim DRK war auch die Stefan-Morsch-Stiftung, die sich den Kampf gegen Leukämie auf die Fahnen geschrieben hat.  Klar, das Nicolas sich als Stammzellspender registrieren ließ. Und klar, dass er, als er jetzt konkret helfen konnte, auch wirklich für einen wildfremden Mann in den Niederlanden vielleicht zum Lebensretter wurde.

Typisiert bei der Blutspende

Die Stefan-Morsch-Stiftung leistet seit mehr als 30 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Ein Ziel ist es, Menschen über die Chancen der Stammzellspende zu informieren. Bundesweit sind täglich Teams unterwegs, um junge Menschen für die Hilfe im Kampf gegen den Blutkrebs zu gewinnen. In vielen Fällen kooperiert die gemeinnützige Stiftung vor Ort mit dem DRK. Gemeinsam sucht man neue, junge Spender. 2018 in Bullay, einem Dorf im Kreis Cochen-Zell, nutzt Nicolas Pielen die Gelegenheit, um sich am Stand der Stefan-Morsch-Stiftung als Stammzellspender in die weltweit vernetzte Datei aufnehmen zu lassen.

Nachricht von der Stefan-Morsch-Stiftung

Ein Jahr später bekommt er den Anruf der Stiftung und erhält so die Nachricht, dass er als möglicher Lebensretter gebraucht wird: „Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich so schnell in Frage komme.“ Leukämie ist nur eine der bösartigen Erkrankungen, die eine Übertragung gesunder Blutstammzellen erfordern kann. Mit einer solchen Transplantation bekommt der Patient ein neues blutbildendes System – seine einzige Chance auf Leben, wenn Chemotherapie oder Bestrahlungen nicht geholfen haben. Dies ist aber nur möglich, wenn es Menschen wie den 21-jährigen gebürtigen Moselaner gibt, die sich typisieren lassen – sprich: als Stammzellspender einer Spenderdatei wie der Birkenfelder Stiftung erfasst sind. Denn um Stammzellen transplantieren zu können, müssen die Gewebemerkmale von Spender und Patient übereinstimmen.

Stammzellspende rettet Leben

Für die Aufnahme in der Spenderdatei (Typisierung) wird nur eine kleine Blutprobe benötigt – ein Fingerhut voll. Daraus werden die für eine Transplantation relevanten Gewebemerkmale (HLA-Werte) im Labor bestimmt. Das gleiche funktioniert auch mit einer Speichelprobe. In den Knochenmark- und Stammzellspenderdateien wie der Stefan-Morsch-Stiftung sind derzeit  weltweit mehr als 37 Millionen Menschen registriert – trotzdem ist es für jeden Patienten ein Glücksfall, wenn sich ein passender Spender findet.

Ausbildung zum Chemielaborant

Nicolas, der gerade in Völklingen eine Ausbildung zum Chemielaborant macht, ist so ein Glücksfall. Freunde, Familie und Arbeitskollegen sind stolz darauf, dass er Stammzellen spendet: „Mein Arbeitgeber hat mich dafür sogar freigestellt.“

Kosten trägt die Stiftung

Bevor Pielen Stammzellen spenden durfte, wurde er umfassend aufgeklärt und gründlich untersucht. „Mich hat interessiert, welche Auswirkungen die Spende auf mich hat“, erzählt Nicolas. Die Ärztin der Stefan-Morsch-Stiftung klärt dabei, ob er wirklich der optimale Spender ist. Gleichzeitig muss ausgeschlossen werden, dass der Spender ein gesundheitliches Risiko eingeht. Die Mitarbeiter der Stiftung beraten und begleiten den Spender während dieser ganzen Vorbereitungsphase. Jegliche Kosten für die Untersuchungen, die Versicherung sowie An- und Abreise zum Entnahmeort werden übernommen.

Apherese in Birkenfeld

Dann beginnt die entscheidende Phase vor der Transplantation. Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender einige Tage lang ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In der Entnahmestation werden dann die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert bzw. zentrifugiert. Apherese heißt dieses Verfahren, das heute am häufigsten angewandt wird. Bei der klassischen Methode – der Knochenmarkspende – entnehmen die Mediziner Knochenmark aus dem Beckenknochen des Spenders. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde.

Patient in den Niederlanden

Zu diesem Zeitpunkt erfahren weder der Spender noch der Patient, wer der andere ist. Nicolas Pielen und sein Empfänger bleiben in jedem Fall bis zum Ablauf von zwei Jahren anonym. Erst danach besteht die Möglichkeit, je nach Gesetzeslage des Landes, in dem der Patient lebt, dass Spender und Patient einander kennenlernen können.

Reibungslose Entnahme

Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Parallel zu Pielens Vorbereitung wird in der behandelnden Transplantationsklinik in den Niederlanden der Patient vorbereitet. Das bedeutet: Bestrahlung und/oder Chemotherapie löschen das Immunsystem aus oder unterdrücken es sehr stark. In dieser Phase ist das Leben des Patienten massiv gefährdet. Susanne Morsch, Vorstandsvorsitzende der Stefan-Morsch-Stiftung: „Eine Transplantation ist immer eine letzte Chance. Diese Chance hat er nur durch Nicolas Pielen“.

Ob er wieder spenden würde, wenn er gefragt würde, sagt Pielen: „Die Entnahme verlief reibungslos. Ja, ich würde wieder helfen.“ (dji)

 

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