Anja Finck


Name: Anja Finck

Alter: 47
Wohnort: 55765 Dienstweiler
Bundesland: Rheinland-Pfalz

Ihr Lächeln ist offen, ihre Sprache gerade, ihre Augen blitzen, wenn sie erzählt. Wer Anja Finck aus Dienstweiler (Kreis Birkenfeld) trifft, merkt schnell, die 47-Jährige steckt voller Energie. Ein gutes Stück ihrer Kraft hat die Biolaborantin jetzt einer Leukämiepatientin in Deutschland gegeben: Sie hat Stammzellen bei der Stefan-Morsch-Stiftung gespendet.

Erinnerung an Stefan Morsch – Die Stefan-Morsch-Stiftung gibt es seit mehr als 30 Jahren

Anja Finck ist in Dienstweiler aufgewachsen. Sie erinnert sich genau daran, als Anfang der 80er Jahre das Gesicht des an Leukämie erkrankten Stefan Morsch auf Plakaten, Zeitungen, Flyern und im Fernsehen zu sehen war. In ganz Deutschland haben Menschen mehrere 100 000 Mark gespendet, um Stefan als erstem Europäer die Stammzelltransplantation in den USA zu ermöglichen. „Ich habe das alles noch genau vor Augen. Damals war ich 12 Jahre alt. Mein Cousin ging in Stefans Klasse“, erinnert sich die 47-Jährige. Dann die traurige Nachricht kurz vor Weihnachten 1984: der immungeschwächte Stefan Morsch starb nach erfolgreicher Transplantation, an den Folgen einer Lungenentzündung. „Das war ein Schock“, erzählt die 47-Jährige. Zwei Jahre später gründeten Stefans Eltern die Stefan-Morsch-Stiftung, Deutschlands erste Stammzellspenderdatei. Seitdem wirbt die gemeinnützige Organisation dafür, dass sich junge Menschen als Stammzellspender registrieren, um Blutkrebskranken Hoffnung auf Leben zu geben.

Finck ist seit mehr als 20 Jahren registriert – jetzt ist ihr genetischer Zwilling erkrankt

Finck hat sich 1997 registriert. Wie alle Spenderdateien speist die Stiftung die pseudonymisierten Daten ihrer Spender in das Zentrale Knochenmarkspender Register Deutschland (ZKRD) ein. Von dort aus stehen die potenziellen Spender – wie Anja Finck – weltweit für Suchanfragen zur Verfügung. 21 Jahre lang ruhten ihre Daten. Im August 2018 stand sie dann ganz oben auf der Liste, bei der Spendersuche für eine deutsche Patientin. Die Nachricht kam für Finck genau im richtigen Moment: „Ich hatte einen richtig schlechten Tag. Ich stand zwei Minuten im Pausenraum auf der Arbeit, als mich Rita Maurer-Brenner von der Stefan-Morsch-Stiftung anrief. Die Spenderbetreuerin fragte, ob ich noch zur Spende bereit wäre. Das hat mich richtig aufgemuntert“, erzählt die Mutter eines 18-jährigen Sohnes. Ihr Arbeitgeber, das Pharma-Unternehmen Abbvie in Ludwigshafen, hat sich sofort bereit erklärt, ihr Vorhaben zu unterstützen.

Stammzellentnahme auf zwei verschiedene Arten

Bevor die 47-Jährige spenden darf, wird sie genau untersucht, um sicherzugehen, dass sie gesund ist und sie ohne Risiko Stammzellen spenden darf. Zur Entnahme gibt es zwei Methoden: Bei der klassischen Knochenmarkspende entnehmen Mediziner die Stammzellen aus dem Beckenknochen des Spenders. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die Entnahme peripherer Stammzellen aus dem Blut, die sogenannte Apherese, ist die zweite Variante. Das funktioniert ähnlich, wie eine Plasmaspende. So hat auch Anja Finck im Oktober in der Entnahmestation der Stiftung in Birkenfeld gespendet.

Kontakt nach 2 Jahren möglich

Zu diesem Zeitpunkt weiß sie noch nicht, für wen die Spende bestimmt ist. Dass es sich um eine etwa 50-Jährige Frau in Deutschland handelt, erfährt sie erst nach der Apherese. „So wie ich“, schießt es Anja Finck in den Kopf. Jetzt denkt sie jeden Tag an die Frau, der sie ein Stückchen von sich geschenkt hat. Nach zwei Jahren ist es möglich, dass sich Spender und Empfänger kennenlernen dürfen. Bis dahin ist anonymisierter Briefkontakt möglich. Das heißt, die Stefan-Morsch-Stiftung leitet Briefe, Karten und kleine Geschenke ohne Namen oder persönliche Kontaktdaten zwischen Spendern und Empfängern weiter.  „Ich werde ihr was schreiben. Ich weiß auch schon genau, was“, sagt sie fröhlich, ohne es zu verraten. Doch vorher fährt sie noch in Urlaub: nach Südtirol.

„Stell Dir vor, es wäre dein Kind oder deine Mutter, …“

Für Anja Finck war es selbstverständlich, jemand vollkommen fremdem zu helfen. Sie möchte andere motivieren, sich auch für Leukämie- und Tumorkranke stark zu machen: „Stell dir vor, es wäre dein Kind oder deine Mutter, die Leukämie hat und Hilfe braucht. Was würdest du dir wünschen? Jeder sollte sich typisieren lassen. Es ist ganz easy und kann Leben retten.“

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