Stefan Morsch (Geschichte)

Geschichte der Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke in Deutschland

Als Stefan Morsch, Sohn von Hiltrud und Emil Morsch, Anfang der 80er Jahre an Leukämie erkrankte, steckte die Stammzelltransplantation noch in den Kinderschuhen. Bestrahlung und Chemotherapie gehörten zwar schon zu den gängigen Therapieformen, in Deutschland wurde auch schon transplantiert, jedoch ausschließlich mit Familienspendern. Leider hatte niemand in Stefans Familie die passenden Gewebemerkmale, um als Spender in Frage zu kommen. Die behandelnden Ärzte gaben dem Teenager damals keine Überlebenschance. Der 16-Jährige galt damit wie viele andere Patienten als „austherapiert“. Eine Knochenmarkspenderdatei gab es damals noch nicht. Die Verzweiflung der Familie war groß, doch an Aufgeben dachte niemand.

Im Juli 1983 entdeckte Emil Morsch in einer Zeitschrift zufällig einen Artikel über die Knochenmarktransplantation einer Achtjährigen und eine Londoner Organisation, die eine Liste mit 50.000 potenziellen Knochenmarkspendern führte. Emil Morsch setzte sich umgehend mit dieser Organisation, den "Nolan Laboratories" in London in Verbindung und die Spendersuche für Stefan konnte beginnen. Die Chance einen geeigneten Spender zu finden lag bei 1 : 700.000. Innerhalb der 50.000 potenziellen Spender, die zu diesem Zeitpunkt registriert waren, wurden zunächst 94 Personen ausgewählt, deren Gewebemerkmale in drei der vier Genorte, die damals für eine Transplantation notwendig waren, übereinstimmten. Heute gelten zehn von zehn übereinstimmende Werte als optimal.

In der Folgezeit wurde die Anzahl der möglichen Spender durch genauere Untersuchungen in deutschen Laboratorien weiter eingegrenzt.

Um den Blutprobentransport zu gewährleisten bat der Kommandeur der 2. Luftwaffendivision in Birkenfeld daraufhin die "7th Air Division" in Ramstein um Hilfe. Als die ersten zehn Blutproben am 24. November 1983, an "Thanksgiving", transportiert werden sollten und es keine Flugbereitschaft gab, spendeten die Mitglieder der 7th AD spontan den Betrag der notwendig war, um die Blutproben kommerziell von Heathrow nach Frankfurt zu fliegen. Im Verlauf der Untersuchungen zeigte sich, dass für Stefan eigentlich nur drei Spender in Frage kamen. Ausgewählt wurde schließlich Terence Bayley aus Großbritannien. Zeitgleich zur Spendersuche musste sich die Familie Morsch noch auf eine weitere Suche begeben, nämlich auf die Suche nach einer Klinik welche die Transplantation mit einem Fremdspender auch durchführen konnte.

Nach unzähligen Telefonaten und eingehenden Recherchen wurde die Familie schließlich fündig. Stefan sollte in den USA, im Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle bei Prof. Donall Thomas, transplantiert werden. Der US-Mediziner und spätere Nobelpreisträger Donall Thomas und sein Team waren damals Pioniere auf dem Gebiet der Knochenmarktransplantation mit einem unverwandten Spender. Die Familie Morsch konnte aufatmen, jedoch nur kurz. Stefans Krankheit kam in ein kritisches Stadium und die Transplantation musste so schnell wie möglich durchgeführt werden. Die Krankenversicherung weigerte sich jedoch die Kosten für diese neue Art der Behandlung im Ausland zu übernehmen und die Familie schöpfte alle Möglichkeiten aus um die Transplantation irgendwie zu finanzieren.

Als wäre die Belastung nicht schon genug gewesen kam wenige Tage vor Abflug in die USA der nächste Schlag. Zur Absicherung des Spenders mussten innerhalb weniger Tage noch einmal 200.000 £ in London hinterlegt werden. Die finanziellen Kapazitäten der Familie Morsch waren restlos erschöpft, die Enttäuschung groß und alle Beteiligten wussten nicht mehr weiter. Alle, bis auf einen! Der damalige Verbandsgemeindebürgermeister Erich Mörsdorf kannte die Situation der Familie Morsch, informierte die Presse und begann mit Spendenaufrufen! Was einsetzte war eine unglaubliche Welle der Hilfs- und Spendenbereitschaft in der Bevölkerung. Zu jeder Zeit begleitet durch die hervorragende Pressearbeit des Mittelrhein-Verlages, des Südwestfunks und des Saarländischen Rundfunks, die einen Spendenaufruf mit überwältigender Resonanz starteten. Innerhalb kürzester Zeit kamen knapp 800.000 DM zusammen und zu guter Letzt, als die Familie bereits in den USA war, erklärte sich auf Druck der Presse auch die Krankenversicherung bereit die Behandlungskosten zu übernehmen. Stefans Transplantation stand nichts mehr im Wege.

Am 31. Juli 1984 wurden Stefan in Seattle die fremden Stammzellen übertragen. Dabei wurde er immer begleitet von der heimischen Presse, aber auch von den lokalen Pressestationen in und um Seattle. Das Interesse und die Unterstützung der Bevölkerung rissen zu keinem Zeitpunkt ab. Obwohl die Transplantation erfolgreich war, starb Stefan am 17. Dezember 1984 kurz vor der geplanten Heimreise an den Folgen einer Lungenentzündung. Stefan sollte nicht umsonst gestorben sein. Es war seine Idee eine Spenderdatei zu gründen, damit alle Leukämiepatienten die Chance auf Heilung erhalten.

Stefans Eltern, Hiltrud und Emil  Morsch, gründeten deshalb 1986 die Stefan-Morsch-Stiftung, mit dem Ziel Patienten und ihren Angehörigen zu helfen.

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