Spendergeschichten

Patrick Richter

„BVB 09 – Unsere Helden“ steht auf dem verwaschenen gelben T-Shirt von Patrick Richter. Der 25 Jährige aus Bergkamen ist Dortmund-Fan. Doch während die drei lächelnden Fußballer auf dem T-Shirt auf dem Platz großes geleistet hat, tut der Fußballfreund alles dafür ein Menschenleben zu retten. Der Bundeswehrsoldat spendet Stammzellen, um einem ihm völlig unbekannten Leukämiepatienten die Chance zu geben, den Kampf gegen den Blutkrebs zu gewinnen.
Leukämie ist eine der bösartigen Erkrankungen, die eine Übertragung gesunder Blutstammzellen erfordern können. Mit einer solchen Transplantation bekommt der Patient ein neues blutbildendes System – seine einzige Hoffnung auf Leben, wenn Chemotherapie oder Bestrahlungen nicht ausreichen. Diese Transplantation ist aber nur möglich, wenn es Menschen gibt, die sich typisieren lassen – sprich: als potenzielle Stammzellspender in einer Spenderdatei wie der Stefan-Morsch-Stiftung erfasst sind, wo sich auch Patrick Richter vor zwei Jahren registrieren ließ: „Ich habe damals gesagt, wenn ich mal Hilfe bräuchte, würde ich auch gerne wissen, dass mir jemand hilft“, erzählt Patrick Richter über seine Beweggründe, warum er sich damals wenige Milliliter Blut abnehmen ließ. Nur dieser Fingerhut voll Blut ist notwendig, wenn man sich typisieren lassen möchte. Das Blut wird auf bestimmte Gewebemarkmale untersucht, die dann anonymisiert von der Spenderdatei in ein weltweit vernetztes Suchsystem eingespeist werden.
Bis heute sind in den Knochenmark- und Stammzellspenderdateien weltweit über 21,5 Millionen Menschen registriert - trotzdem ist es oft ein Glücksfall, wenn sich für einen Patienten ein Spender findet. Denn um Stammzellen übertragen zu können, müssen die Gewebemerkmale von Spender und Patient übereinstimmen. Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz in Birkenfeld ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ bietet die gemeinnützige Stiftung seit 1986 Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist, Menschen zu werben, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. So werden täglich Stammzell- oder Knochenmarkspender aus der stiftungseigenen Spenderdatei von ca. 380 000 potentiellen Lebensrettern weltweit vermittelt.
Patrick Richter ist einer diese Spender. Als er die Nachricht bekam, dass er vielleicht einem Leukämiepatienten helfen kann, war sein erster Gedanke: „Ich brauche Urlaub!“ Denn um ganz sicher zu gehen, dass der Spender völlig gesund ist, und auch der geeignete Spender für den Patienten ist, braucht es eine Reihe von Voruntersuchungen und eine Gründliche Aufklärung, über die Chancen und Risiken einer Stammzellspende. Doch Patrick Richters Vorgesetzter bei der Bundeswehr in im hessischen Frankenberg-Eder stellte sich voll und ganz hinter den jungen Soldaten: Er lobt ihn, dass er sich der Spende bereit erklärt und gewährte ihm Sonderurlaub. „Das ist keine Selbstverständlichkeit, dass ein Arbeitgeber so reagiert, wenn unsere Spender freigestellt werden müssen, um zu Voruntersuchungen und Entnahme zu reisen – obwohl wir den Firmen den Verdienstausfall erstatten“, so Andrea Djifroudi, Sprecherin der Stiftung.
Patrick Richter wurde auch von Familie und Freunden unterstützt als er sich auf die Stammzellentnahme vorbereitete: „Alle waren sehr neugierig, wie das funktioniert. Ich musste alles genau erklären.“ So ist der gelernte Fleischer von der Versorgungseinheit seines Standortes ein halber Transfusionsmedizin-Experte geworden: Um die Stammzellen beim Spender zu entnehmen gibt es heute zwei Varianten: Bei der klassischen Methode der Knochenmark-Entnahme entnehmen Mediziner etwa 0,8 bis 1,5 Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Die zweite Methode ist die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender vorher ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. Dieser Botenstoff löst beim Spender im Vorfeld oft grippeähnliche Symptome – wie Kopf- und Gliederschmerzen aus. Diese verschwinden aber mit der Entnahme der Stammzellen. Patrick Richter ist nach der Spende froh, „dass es geschafft ist. Jetzt hoffe ich, dass ich helfen kann. Ich würde es in jedem Fall wieder machen und kann nur jedem empfehlen sich auch typisieren zu lassen.“

Kirsten Soltwisch

Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, da hat Kirsten Soltwisch in Schortens einen „LEBENdigen Markt“ zugunsten des Elternvereins Krebs kranker Kinder und der Stefan-Morsch-Stiftung organisiert. Erklärtes Ziel war „möglichst viele Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass Knochenmarkspenden für an Leukämie erkrankte Menschen lebensrettend sein können.“ Den Beweis dafür durfte nun die Organisatorin selbst antreten. Ihre Gewebemerkmale stimmten mit einem kleinen Kind in Frankreich überein, das dringend eine Knochenmarktransplantation brauchte, um eine Chance auf Heilung zu bekommen.
Kirsten Soltwisch ist Hörgeräteakustikerin und hat gute Kontakte zu den Bands der Region. Kontakte, die Sie schon seit Jahren auch dafür nutzt, krebskranken Kindern zu helfen. Deshalb hatte die 45 Jährige vor einem Jahr verschiedene Bands und einige Aussteller in Schortens für eine Benefizveranstaltung zusammengetrommelt. Die Stefan-Morsch-Stiftung war ebenfalls mit von der Partie, um über das Thema Stammzellspende aufzuklären.
Die Stefan-Morsch-Stiftung ist die älteste Stammzell-Spenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Helfen – Hoffen – Heilen“ leistet sie schnelle und persönliche Hilfe für Krebskranke und ihre Familien. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland etwa 11 000 Menschen an bösartigen Blutkrankheiten wie etwa der Leukämie. Jeder zweite Patient ist ein Kind oder Jugendlicher. Je nach Leukämieart variieren die Heilungsaussichten. Oft reicht die Behandlung mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung nicht aus. Dann ist die Übertragung gesunder Blutstammzellen die einzige Hoffnung auf Leben. Eine solche Transplantation ist aber nur möglich, wenn sich ein passender Stammzell- bzw. Knochenmarkspender zur Verfügung stellt. Deshalb wirbt die Stefan-Morsch-Stiftung für eine „Typisierung“ – eine Registrierung in der Spenderdatei. Das bedeutet: Nach entsprechender Aufklärung muss ein Spender schriftlich sein Einverständnis zur Blutabnahme und Registrierung seiner Daten geben. Aus einer Blutprobe(knapp ein Fingerhut voll Blut) oder einem Abstrich der Mundschleimhaut mit einem Wattestäbchen werden die Gewebemerkmale des Spenders im hauseigenen Labor der Stiftung bestimmt und bei der Spenderdatei gespeichert. Von dort werden sie anonym dem Zentralregister in Ulm übermittelt, wo sie mit denen der Patienten weltweit verglichen werden können. Mit jedem neu gewonnenen Spender erhöht sich somit die Chance, dass einem leukämiekranken Patienten das Leben gerettet werden kann.
Kirsten Soltwisch hat vor wenigen Wochen einen Anruf der Stefan-Morsch-Stiftung bekommen, dass als Spenderin in Frage kommt. Nach einer Reihe von weiteren Untersuchungen, die der Sicherheit des Spenders dienen, wurde sie zur Knochenmarkentnahme nach Düsseldorf in eine Klinik gebeten. „Ich habe um 7.30 Uhr eine Vollnarkose bekommen. Dann wurde mein Beckenkamm punktiert. Das hat 10 Minuten gedauert. Um 10.30 Uhr war ich auf meinem Zimmer und habe Frühstück bekommen. Außer einem Druckgefühl an der Stelle an der ich punktiert wurde, habe ich nichts von der Entnahme gemerkt“, erzählt die Schortenserin. Sie hofft nun, dass der kleine Patient „es schafft“. Außerdem will weiter für die Registrierung als Stammzellspender werben: „Ich bin kein Held. Aber ich bin froh, dass ich helfen konnte.“